Andreas Thiele: ein ganz anderes Zwischen

Vernissage: 27. Januar, 18 Uhr

Die Arbeiten von Andreas Thiele entstehen aus Materialien, die ihre Funktion bereits erfüllt haben. Gebrauchte Kunststoffverpackungen und Aluminiumbänder, Relikte einer konsumorientierten Gesellschaft, werden zu figurativen Formen verdichtet und fusionieren mit Acrylfarben. In dieser Transformation verschiebt sich ihre Bedeutung: Vom Wegwerfprodukt oder Produktionsausschuss zum Träger von Erinnerung, Körperlichkeit und sozialer Spur.

Das Zwischen versteht er dabei nicht als blossen Übergang, sondern als eigenständigen zeitlich und räumlich lesbaren Raum, der sowohl ein Moment als auch eine Schwelle, Grenze oder der Ausstellungsraum selber sein kann. Andreas Figuren, monochromen Arbeiten und Gebrauchsobjekte verorten sich in einem ganz anderen Zwischen – zwischen Abfall und Wert, zwischen industrieller Normierung und individueller Gestalt. Die Kombination von plastischen Kunststoffverpackungen mit herkömmlichen Materialien und Farben lassen neuartige Effekte und innovative Objekte entstehen.

Zwischen was?  fragt sich der Betrachter und grammatikalisch offen zwingt diese Leerstelle zur eigenen Positionierung. Zwischen wird hier zum Spiegel gesellschaftlicher Zustände mit binären Kategorien und klaren Zuschreibungen. Die fragilen Figuren verweisen auf ein Verhältnis von Mensch, Material und Umwelt, das von Ausbeutung und Verdichtung geprägt ist. Sie stehen für Körper, die gehalten, gebunden und zugleich geformt werden – durch ökonomische, ökologische und soziale Strukturen.

Ein ganz anderes Zwischen öffnet einen Raum, in dem Verantwortung, Wahrnehmung und Material neu verhandelt werden.